Wael lebt – dank Phagen

In der Phagentherapie ist in den letzten Jahren viel passiert. Es hat eine Reihe von spektakulären Heilungen gegeben, einige davon wurden sorgfältig dokumentiert und veröffentlicht. Die Studie Phagoburn, die von der EU finanziert wurde und in der Brandverletzte mit Infektionen mit Phagencocktails behandelt wurden, ist abgeschlossen – leider nicht sehr erfolgreich. Verschiedene Probleme verhinderten dies, zum Beispiel war der Phagencocktail weniger stabil als gedacht und die Patienten wurden deshalb mit einer tieferen Phagenkonzentration behandelt als geplant.

Die Phagenforscher Jean-Paul Pirnay (1.v.l.) Nino Grdzelishvili (3.v.l.) treffen Wael und seine Eltern zum ersten Mal. Weiter im Bild: Khadidja Rezig (Mutter, 2.v.l.) und Arzt Patrick Soentjens (ganz rechts).
Bild: Sofiane Rezig

Wichtig war auch eine Entwicklung in Belgien: Dort haben Forscher, Ärzte und Behörden einen pragmatischen Ansatz gefunden, wie Patienten mit schweren Infektionen mit Phagentherapie behandelt werden können, auch wenn die Methode noch nicht von der europäischen Zulassungsbehörde EMA zugelassen ist. Im Zentrum des Modells steht das Königin-Astrid-Militärkrankenhaus in Brüssel. Das Team um Jean-Paul-Pirnay stellt dort verschiedene Phagenpräparate in einer Qualität her, die für Behandlungen von Menschen eingesetzt werden können, sogar IV-Behandlungen wurden schon erfolgreich durchgeführt.

Im Sommer 2019 konnte ich das Brüssler Militärkrankenhaus besuchen, Jean-Paul Pirnay und andere Forscher und Forscherinnen und ehemalige Patienten treffen. Darunter den kleinen Wael, dem die Phagenforscher das Leben gerettet haben. Ich habe darüber eine Sendung für Radio SRF produziert. Ebenfalls in der Sendung: ein Gespräch mit der britischen Phagenforscherin Martha Clokie über die ökologische Rolle der Phagen – vom Meer bis zum Menschen.

Blick hinter die Katastrophe

Der Aralsee war einst der viertgrösste See der Welt. Doch davon ist fast nichts übrig geblieben, weil ihm die Landwirtschaft Zentralasiens den Wasserhahn zugedreht hat. Uno-Generalsekretär António Guterrez nannte es «die wohl grösste Umweltkatastrophe, die der Mensch in neuerer Zeit verursacht hat».

Zurückgeblieben ist eine neue Wüste, die Aralkum. Sie ist 50’000 km² gross und an vielen Stellen von Salz bedeckt. Stürme wirbeln es auf und verteilen es weitherum auf den Äckern und Häusern. Das gefährdet die Gesundheit der Menschen und die Fruchtbarkeit der Äcker.

Die Länder der Region haben vor Jahren schon den Fonds zur Rettung des Aralsees gegründet. Doch gerettet wird der See nie mehr. Die Menschen brauchen das Wasser für sich.

In Zukunft wird das Wasser weniger werden: die Bevölkerung nimmt stark zu, und der Klimawandel führt im Sommer zu Knappheit.

Wie weiter? Dieser Frage bin ich im Juni auf einer Recherchereise durch Zentralasien nachgegangen. Ich bin mit einigen Antworten und vielen neuen Fragen zurückgekehrt. Die kann man nun nachlesen und hören:

Der verschwundene Aralsee könnte erst der Anfang sein (Text)

«Blue Peace»: Was kann Schweizer Wasserdiplomatie bewirken? (Text)

Aralsee – eine Umweltkatastrophe mit Fortsetzung (Radiosendung)

Eintauchen in die Arktis

Nun online: Das Feature über die Fahrt der «Helmer Hanssen» und die heroischen Expeditionen von Nansen, De Long, Andrée und anderen:

«In Nacht und Eis»

Tipp: Herunterladen und nicht streamen. Die Tonqualität ist viel besser.

Lichterfest im Polarmeer

 

Bei srf.ch ist jetzt ein längerer Artikel über die Expedition der «Helmer Hanssen» aufgeschaltet. Er erzählt von den wissenschaftlichen Zielen und ersten Resultaten, von leuchtenden Kreaturen und anderen polaren Phänomenen, aber auch vom Alltag an Bord.

Dazu ein Stück über die Arktis-Expeditionen von früher: die Drift der «Fram», die Katastrophe der «USS Jeannette» oder Salomon Andrées tragische Ballonfahrt.

 

Am 29. Dezember gibt’s dann in der Sendereihe Passage 2 auf Radio SRF2 Kultur die Synthese davon: eine Stunde Radio-Feature über die magische Anziehungskraft von «Nacht und Eis».