Zum Van Mijenfjord

Gestern Abend haben wir die letzte Messstation auf der Westseite von Spitzbergen verlassen (Bild: B4) und sind seither auf dem Weg zum letzten Ort, wo die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Netze, Schaufeln und anderen Messgeräte zu Wasser lassen. Dies wird im Van Mijenfjord (VM) sein, einem Meeresarm, dessen Eingang durch die quer liegende Insel Akseløya abgeschottet wird.

Route der «Helmer Hanssen»: BF1-W1-NS1-B1-B2-B3-B4-VM (Van Mijenfjord).

Der Name des Fjords geht zurück auf den niederländischen Seefahrer Willem Van Muyden. Er soll der erste Niederländer gewesen sein, der 1613 zum Walfang nach Spitzbergen gefahren ist. Der finnisch-schwedische Polarforscher Adolf Erik Nordenskiöld schrieb aber zwei Jahrhunderte später van Muydens Namen falsch und so heisst der Fjord heute Van Mijenfjord.

Diese Information habe ich aus einem bemerkenswerten Buch: «The Place Names of Svalbard». Es führt auf 537 Seiten alle, ja, alle Namen von Spitzbergens Fjorden, Bergen, Tälern und so weiter auf. In diesem Buch erfährt man zum Beispiel auch, dass es auf Spitzbergen einen Vesuv gibt. Warum der 739 Meter hohe Berg zu seinen Namen kam, wird nicht erwähnt. Vielleicht, weil er konisch geformt ist, wie es vermerkt ist.

Das Wasser im Van Mijenfjord ist durch Akseløya vom Meer isoliert. «Vermutlich finden wir dort etwas kälteres Wasser», sagt Expeditionsleiter Rolf Gradinger. Das warme Wasser, das vom Atlantik herkommt und an Westspitzbergen vorbei zieht, gelangt wegen des blockierten Eingangs kaum in den Fjord. Darum hoffen die Forscher darauf, im Fjord auf Meereis zu stossen.

Es ist auch ein Test geplant. Christine Dybwad, die Forscherin, die mit der «Sediment Trap» Partikel und Organismen sammelt, die auf den Meeresgrund sinken, wird dieses Mal versuchen, aufsteigende Partikel einzufangen. Dafür hängt sie eine Sedimentfalle umgekehrt ins Meer: Der Trichter, der seine Öffnung sonst nach oben hat, guckt dann unten. Das hat letzte Nacht etwas Anpassungsarbeit erfordert:

Christine Dybwad, Ulrike Dietrich und Daniel Vogedes arbeiten an der Sedimentfalle.

In den letzten Stunden ist der Wind etwas frischer geworden. Er weht mit 50 bis 60 km/h, einige Böen sind bis 80 km/h. Zum ersten Mal auf der Fahrt rollt nicht nur der Bleistift gelegentlich davon, sondern auch der Laptop auf dem Tisch entwickelt manchmal ein Eigenleben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.