Von der Ordnung der Natur über das Chaos zur Ordnung des Menschen

Forschung könnte man als den Versuch des Menschen definieren, die Ordnung der Natur zu ergründen. Das klingt sinnvoll und irgendwie sauber. Die Realität auf einem Forschungsschiff sieht ein bisschen anders aus: der Begriff «Versuch» in der Definition trifft es besser als der Begriff «Ordnung».

Nehmen wir als Beispiel den Meeresboden. Einige Forscher an Bord würden gerne wissen, wer da lebt und wie die Tiefengemeinschaft ihre WG organisiert. Um diese Fragen beantworten zu können, muss man die Tiefseewesen an die Oberfläche bringen. Das, habe ich in den letzten Tagen gelernt, geht mit verschiedenen Methoden. Sie alle haben zwei Dinge gemeinsam: sie erfüllen ihre Aufgabe, und sie tun dies alle mehr oder minder brachial.

«Box Core».

Am schonendsten ist wohl die «Box-Core-Methode»: Die Forscherinnen und Forscher lassen an einem Seil ein Gestell in die Tiefe hinab, in dem eine Metallkiste steckt. Unten angekommen, zum Beispiel auf minus 150 Meter, wird die unten offene Box in den Schlick abgesenkt, der Boden geschlossen und die Fracht nach oben gebracht. Zum Ersten bleibt dabei die kleine Welt der Meeresbodenbewohner recht heil. Auf der intakten Schlammoberfläche ist sogar ein Seestern zu sehen.

Schlämmen und Filtern.

Aber dann greift die forschende Hand des Menschen ein: Die ganze Schlammmasse wird mit viel Wasser versetzt und gesiebt. Im Sieb bleiben die Tiere der Tiefe zurück, aber ihre WG ist brachial aufgelöst. Dieser Schritt geschieht bei der «Van Veen»-Methode schon gleich bei der Ernte am Meeresboden: Eine Baggerschaufel am Seil beisst sich ein Stück Meeresboden heraus.

Am meisten Meeresbodenwesen bringt die dritte Methode in die Polarnacht hoch – der «Beam Trawl». Ein Metallrahmen samt Netz wird für 5 Minuten über den Meeresboden geschleppt. Was dabei passiert, kann man sich vorstellen.

Raphaelle Descoteaux nutzt diese Methoden. Sie untersucht unter anderem, ob sich wegen der Klimaerwärmung bereits Arten aus wärmeren Regionen in der Arktis festgesetzt haben. Die Sorge: die Eindringlinge könnten die heimischen Arten verdrängen. Descoteaux ist sich der Zerstörung bewusst, die sie anrichtet. Sie bedauert das, aber ohne die Eingriffe keine Erkenntnis. Sie versucht, den Schaden möglichst zu reduzieren: «Wir halten den Trawl so kurz wie möglich», sagt sie.

Sortieren.

Das Chaos, das die Bergungsmethoden angerichtet haben, in die menschliche Ordnung zu überführen, ist harte Arbeit. Descoteaux und Eric Jordà Molina bergen Tausende von Wesen aus dem Schlamm, sortieren sie und bestimmen sie. In Zweifelsfällen muss ein Tier unters Mikroskop. Die beiden finden Seesterne, Muscheln, Krebschen, Spinnenartige, Würmer aller Art und vieles mehr.

Bestimmung unter dem Mikroskop.
Ordnung.

Verzeihung für die z.T. pixeligen Bilder. Die verfügbare Bandbreite lässt keine bessere Qualität zu.

 

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